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Der
Ersatz
Der Hinkefuß, was mein Bruder ist, brachte die Katze nach Hause. Am
Anfang haben wir die Katze nassgespritzt, haben die Hunde auf sie gehetzt,
haben die Tür zugemacht. Aber sie kam immer wieder zurück.
Dann haben wir überlegt, sie zu töten, und haben uns für sie
einen grausamen Tod ausgedacht, wollten ihr den Schwanz in Brand stecken.
Aber sie kam immer wieder zurück, saß da auf dem Tisch, miaute,
schaute uns an mit diesen rätselhaften Augen, wie sie Katzen eben
haben.
Nach einiger Zeit ging mein Bruder, der Hinkefuß, fort. Mit dem Zug,
sagte, er wolle sich ein eigenes Leben aufbauen weit weg, irgendwo jenseits
der Berge.
Wir fragten, ob er die Katze mitnehmen wollte. Er sagte:
Nein. Ich habe sie nur mit nach Hause gebracht, weil sie mir über
den Weg gelaufen ist.
Mit diesen Worten ist unser Bruder, der Hinkefuß, gegangen. Und die
Katze blieb. Die Katze fand immer einen Weg ins Haus. Die Hunde taten ihr
schon nichts mehr. Und wir auch nicht. Sie schlief irgendwo in einer Ecke,
miaute, schaute uns an. Sie war zur Hauskatze geworden.
Unser Bruder, der Hinkefuß, hat nie geschrieben, niemand brachte je
Nachricht von ihm, nie erreichte uns Nachricht darüber ob er tot war
oder lebte. Wir vermissten ihn schon. Aber das wurde mit der Zeit auch weniger,
vielleicht verschwindet es irgendwann ganz.
Und wir begannen ihn zu vergessen.
Eines Morgens, lange Zeit später, sahen wir die Katze auf dem Hof und
sie war irgendwie anders. Erst achteten wir nicht darauf, denn eine Katze
ist eine Katze, am einen Tag so und am anderen anders.
Die Sonne ging unter, die Gespräche drehten sich bereits um die Nacht,
und wir alle hatten unsere Augen schon in die Ferne gerichtet.
Und plötzlich kam die Katze herein. Und hinkte.
© Paulinho Assunção / Michael Kegler
2007 |
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